Stopover Dessau – Übernachtung im Bauhaus

Mein Wissen über Bauhaus war so auf Trivial Pursuit Niveau. Gropius, Freischwinger, Meisterhäuser, Mies van der Rohe, Weißenhofsiedlung waren ein paar bekannte Sternchen in meinem weitestgehend noch unerschlossenen Bauhauskosmos. Da sich Begeisterung und Fachkenntnis bekanntlich nicht zwingend proportional verhalten müssen, reichte erstere aus, um vor zwei Jahren eine Kurzeise nach Dresden zum Anlass für einen Bauhausvertiefungsstopover in Weimar und Dessau zu nehmen.

Mein Vorsatz, die Bauhausrudimentärkenntnisse etwas zur -begeisterung aufzuschließen zu lassen, scheiterten daran, dass letztere mindestens in gleichem Maß zulegte. Das Dessauer Bauhaus ist schuld. 10/10 auf der Tollskala, wie sie dort, die in ihrer Geschichte nicht immer sehr pfleglich behandelte Bauhaussubstanz wieder in Szene gesetzt haben.
Hauptdarsteller sind das Bauhausgebäude und die Meisterhäuser. Will man dann noch den talentierten Nebendarstellern Kornhaus, Konsumgebäude, die Siedlung Dessau-Törten und/oder diversen anderen Wohn- und Funktionsgebäuden einen Besuch abstatten, sollte man gleich mal mehr als einen Tag einplanen. Das meiste kann im Rahmen von Führungen besichtigt, wieder im (Restaurant-)Betrieb (Kornhaus) genutzt oder auf öffentlichen Wegen (Siedlung) erkundet werden. Wem das noch nicht reicht, findet möglicherweise bei den Ausstellungen oder Veranstaltungen (zum Kern von zdf.kultur (O-Ton) gehört beispielsweise die Reihe zdf@bauhaus) Besuchsargumente.

Zentrales persönliches Ergebnis dieses ersten Dessaubesuchs: Künftige A9 Vorbeifahrten sollen wohlwollend auf mögliche Bauhausabstecher hin geprüft werden!

Vor zwei Monaten (guter Post braucht Zeit;), im September, war es wieder mal soweit.

Nun ist es mit der Just-in-time Verfügbarkeit irgendwann, irgendwo mal aufgeschnappter Informationen ja so eine Sache. In diesem Fall hat’s glücklicherweise funktioniert. Stichwort: Übernachtung. Neben der klassischen Möglichkeit, Dessaus Hotelbetteninfrastruktur zu nutzen, gibt es -so habe ich beim letzten Besuch irgendwie mitgenommen (und erinnert!)- auch die Alternative direkt im Bauhaus zu übernachten. Wenn man eh nur bauhausbedingt hier aufschlägt, eigentlich keine Frage. Auch preislich durchaus erwägenswert. Man übernachtet im ehemaligen Ateliergebäude. In Zimmern die damals Studierenden zum Wohnen und Arbeiten dienten. Eventueller Mangel an Doppelzimmern wird im Einverständnisfall mit Aufbettung von Einzelzimmern kompensiert. Dann schläft man in einem Bett das Queensizedimension haben dürfte. War zumindest bei uns so. Die Zimmer sind angenehm groß und verfügen über eine Waschecke und einen kleinen Balkon. Zu Letzterem aber später.

Das Ateliergebäude steht, wie der übrige Komplex, unter Denkmalschutz. Weltkulturerbe! Ein Umstand, der -wenn man ansonsten die Annehmlichkeiten gängiger Standardhotellerie zu schätzen weiß- die Übernachtung in mancherlei Hinsicht …besonders… macht.
Als eine Auflage musste beispielsweise, für die neue Nutzung, in Sachen Sanitärräumlichkeiten alles so bleiben wie es ursprünglich war. Das heißt, Etagendusche und Etagen-WC. Auf einer Etage dürften sich nach meiner Schätzung vier bis fünf Zimmer befinden. Für ein, zwei Nächte, auch für diejenigen die schon etwas Distanz zwischen heute und ihre WG-Zeiten gebracht haben, machbar würde ich sagen. Und mit etwas Glück hat man die Etage ganz für sich, wie es bei uns der Fall war.

Eine weitere dem Denkmalschutz zu verdankende Besonderheit sind die -oben schon angesprochenen- Originalbalkone. Jedes der Atelierzimmer auf der Ostseite verfügt über einen solchen. Die nutzungsmäßige Hiobsbotschaft: Sie entsprechen nicht der Norm. Konkret die Höhe der Geländer entspricht nicht heutigen Vorschriften. BalkonGAU.
Da staunt man in TÜVland dann schon fast ungläubig, wenn man sie trotzdem betreten darf. Ohne Helm und Seil. So man es denn schafft. Denn davor setzten die Runterfallverhüter die Überwindung einer nicht ganz trivialen Balkontürschließtechnik, hart an der Workshoperfordernisgrenze.

Falls jemand einen Jubiläumsauslöser für derartige Besuche benötigt, kann er/sie sich schon mal 2019 vormerken. Dann wird 100 Jahre Bauhaus gefeiert. Für mich darf sich der nächste Besuch auch gerne schon etwas früher ergeben.
Bleibt abschließend und nicht zuletzt im Hinblick auf das Jubiläum zu hoffen, dass die Einleitungsfrage im ZEIT-Online Artikel zu den aktuellen Leitungsturbulenzen möglichst schnell mit einem ‚Nein‘ beantwortet werden kann! Danach scheint es aber wohl eher weniger auszusehen (SZ).

Geografische Zusammenfassung:

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Ein Gedanke zu „Stopover Dessau – Übernachtung im Bauhaus

  1. […] Stopover Dessau – Übernachtung im Bauhaus | itaWALL @twiiita macht Lust auf einen Zwischenstopp im Dessauer Bauhaus. Kommt auf die Reiseliste. […]

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