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Mischhaut, Hängematten, Kinder und Bon Jovi

Ob das Ziel Olympiapark als Biergartenanschlussprogramm unseres gestrigen Münchenbesuchs für diesen Tag optimal gewählt war, lässt sich zumindest in der Nachbetrachtung nur mit leichten Einschränkungen positiv beantworten. Grund: Mainstreamreferenzrocker Jon Bon Jovi wollte in den Abendstunden seine Vorstellung von massenkompatibler Rockmusik im dortigen Stadion zum Besten geben und erstaunlich bis erschreckend viele schienen dieses Abendprogramm mit einem leichten Flanier- und Sonnetankvorprogramm im Park einzuleiten.

Haengematten

Ob die Hängemattenwohlfühloase, die ein Kosmetikhersteller zur Vermarktung seines Bio-Tee-Reis-Cremewunders für Mischhaut in den Park gepflanzt hatte, die gleiche Zielgruppe anvisierte wie der Kuschelrocker aus New Jersey bleibt fraglich. Die Freifrau von und zu Guttenberg ist ja eher der matte Typ und das sonstige Konzertpublikum in spe mischte sich heterogen unter allerlei Familien mit Kindern und sonstige Parkbesucher.
In Sachen Hängematten führte dies zu folgender Gemengelage: Kinder finden Hängematten klasse / Eltern finden es toll, wenn ihre Kinder Hängematten toll finden und ihnen -wenn auch von Kinderseite vollkommen unbeabsichtigt- etwas Ruhe gönnen / Verkaufsförderer im Einsatz vor Ort -die ihren Job relativ ernst nehmen- würden gerne ihre Mischhautzielgruppe in den Hängematten platzieren, weil sich dabei vermutlich die Regenerationsmessage des Produktes besser transportieren lässt.

Man ahnt es, das kann nicht gut gehen.

Zumindest einer der engagierten Verkaufsförderer hatte offensichtlich eine Strategie, mit der er versuchte das nicht in die Mischhautzielgruppe fallende, hängemattenblockierende Jungvolk durch die Konfrontation mit Vertretern der definierten Zielgruppe aus seinen Hängematten zu vertreiben. Kernzielgruppe schien -nicht wirklich überraschend- vorwiegend die weibliche Parkbevölkerung zu sein. Ob die Strategie bei den Hängemattenbelagerern in irgendeiner Weise gefruchtet hätte, konnte ich nicht mehr beobachten. Der Plan scheiterte bereits frühzeitig an anderer Stelle.
Mit naiver Offenheit ging der Promoter auf in sein Beuteschema passende Damen zu und berichtete diesen von Plan und Ziel der Hängemattenumbesetzung. Die Möglichkeit, dass diese vermeintlich kinderlosen Frauen die Promotionperipherie nur zur Beobachtung ihres Nachwuchses bezogen haben, schien er nicht auf dem Schirm zu haben. Nun muss man nicht Psychologe sein, um sich vorstellen zu können welche Begeisterungsstürme man bei Müttern auslöst, die der Verkaufsförderer als Mittel zum Zweck der Befreiung seiner Hängematte von der Belagerung ihrer eigenen Kinder einsetzen will.
Spätestens jetzt wurde es für den Kosmetikkonzern schwer die Rasenmiete mit neu gewonnen Kunden aus dem Mütterlager aufzurechnen. Vielmehr zeigten sich auch bisherige Kundinnen der Marke geneigt, aufgrund dieses Erlebnisses ihre Mischhaut und den Rest ihres pflegebedürftigen Körpers den Kosmetikprodukten der Wettbewerber zu überlassen. Dies ließ sich jedenfalls den Gesprächen der Damen im Anschluss an die gescheiterte Planoffenbarung entnehmen.

Was lernen wir daraus: Bei Hängematten hört die Markentreue auf. Verkaufsförderer haben es nicht leicht.

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